Alle Schüler bearbeiten in ihren Planungsmappen im Grunde die gleichen Aufgaben, die den gesamten Lernstoff der jeweiligen Klassenstufe abbilden. Den Aufgaben zugeordnet sind die in den Kerncurricula Deutsch und Mathematik vorgegebenen Kompetenzen, die Grundschüler erwerben sollen.

Während der Arbeitsphasen der Plänearbeit herrschen klare Regeln in Bezug auf Lautstärke und Rücksichtnahme. Intensiviert wird mit der Planarbeit die Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft durch die Regelung, dass bei Problemen im Aufgabenverständnis zuerst bis zu drei Kinder, die die Aufgabe verstanden haben, um Hilfe gefragt werden. Wenn dies nicht erfolgreich ist, wird die Lehrkraft um Hilfe gebeten. Dies stärkt die Eigenverantwortlichkeit und fördert den Erwerb wichtiger sozialer und kommunikativer Kompetenzen. 

Die Planungsmappen werden von den Lehrerjahrgangsteams in der Alltagspraxis evaluiert, weiterentwickelt und an die jeweils nachrückenden Jahrgangsteams weitergegeben. Diese nutzen sie als Grundlage und verändern sie nach Bedarf. Die dafür benötigten Dateien werden im Lehrerarbeitsraum auf dem PC abgelegt und stehen dort zur Verfügung.

Jedes Kind wählt am Wochenanfang selbst, an welchen Aufgaben eines Planes es in dieser Woche arbeiten möchte, indem es auf dem jeweiligen von der Lehrkraft erstellten Plan die Aufgaben mit Bleistift einkreist.

Die Lehrkraft berät den Schüler und kreist in Absprache mit dem Kind ihrerseits diese Aufgaben ein, deren Bewältigung für realistisch angesehen wird. Somit behält die Lehrkraft den Überblick und greift, wenn nötig, steuernd ein. Sie nimmt also ihre Kotrollfunktionen wahr und achtet darauf, dass sich niemand seinen Aufgaben entziehen kann. Dabei ist es nicht zwingend notwendig, dass täglich Deutsch und Mathematik gleichermaßen Bestandteile sind. Es hat sich gezeigt, dass viele Kinder gern eine Sache vollständig beenden, bevor sie eine neue Sache konzentriert beginnen. So kommt es vor, dass sie einige Tage verstärkt an einem Deutsch- Plan arbeiten und sich dann wieder intensiver einem Mathematik- Plan zuwenden.

Die bearbeiteten Aufgaben eines Plans werden der Lehrkraft vorgelegt und von ihr kontrolliert. Fehlerhaft bearbeitete Aufgaben werden kenntlich gemacht und vom Schüler korrigiert. Erst dann werden die vom Schüler und der Lehrkraft auf dem Plan eingekreisten Aufgaben durchgestrichen und sind somit erledigt.

Allerdings können Schüler auch einen Plan überspringen, wenn sie im obligatorischen Vortest (dient der Lernstandsdiagnose) zu Beginn eines neuen Planes aufzeigen, dass sie die im Plan enthaltenen Aufgaben bereits beherrschen. Dann überspringen sie diesen Plan und bekommen den Vortest für den nächsten Plan. Die anderen Schüler üben gezielt an den Aufgaben, die sie im Vortest nicht lösen konnten und zeigen im Nachtest, der nach Bearbeitung der im Plan enthaltenen Übungsaufgaben geschrieben wird, ob sie den Lernstoff beherrschen und ob sie ihre Kompetenzen im für sie möglichen Bereich erweitern konnten.

Dieses Verfahren dient …

-> … der Qualitativen Differenzierung, indem jeder Schüler an Aufgaben arbeitet, die seinem Niveau entsprechen.

-> … der Quantitaven Differenzierung im positiven Sinne, indem leistungsschwächere und langsam arbeitende Schüler
        von der zeitlichen Belastung des ständigen Nacharbeitens entlastet werden und …

-> … leistungsstärkere Schüler von der ständigen Bearbeitung von Zusatzaufgaben entlastet werden, weil der
        Unterrichtsfortschritt sich nicht mehr an dem Leistungsmittelfeld der Klasse orientiert.

Der Vortest dient der Lernstandsdiagnose, der Nachtest als Leistungsnachweis.  Insofern dokumentieren die Planungsmappen in den Fächern Deutsch und Mathematik den jeweiligen Stand der individuellen Lernentwicklung (ILE) und zeigen Ansatzpunkte für den individuellen Förder- oder Forderbedarf auf.

Wichtige Bestandteile der Konzeption sind darüber hinaus die täglichen Morgen- und Zeigekreise, in denen die Lehrkraft sich zurücknimmt und die Leitung nach klarem Reglement der Verantwortung des Kreischefs übertragen wird. Diese Funktion wechselt regelmäßig (mit zunehmender Sicherheit der Kinder täglich) und jeder Schüler muss sie übernehmen. Auch hier werden die Eigenverantwortlichkeit gestärkt und der Erwerb wichtiger sozialer und kommunikativer Kompetenzen gefördert. Der Morgen- und der Zeigekreis tragen zur Ritualisierung des Schultages bei. Dies stärkt die Sicherheit der Schulkinder in festen Strukturen und vermeidet Verunsicherung in  Vertretungssituationen (vergl.  Schulprogramm 3.1.2: Vertretungskonzeption). Der Morgenkreis bietet Gelegenheit, Wichtiges zu erzählen und stimmt die Schulkinder auf den Unterricht ein. Der Zeigekreis am Ende des Unterrichtstages dient den Kindern zur Vorstellung der eigenen Arbeitsergebnisse. Hier erfahren alle Schulkinder unabhängig von ihrem Leistungsvermögen Wertschätzung, weil ihre Leistungen von den Mitschülern nicht im direkten Vergleich zu den Leistungen anderer wahrgenommen werden.

Die Themenkreise dagegen werden meistens von der Lehrkraft geleitet bzw. von geeigneten SchülerInnen. Hier werden im ganzen Klassenverband oder in Kleingruppen mit gleichem Lernstand neue Lernbereiche und Themen eingeführt, die Schüler sich nicht eigenständig erarbeiten konnten. Die Bezeichnung „Kreis“ meint hier nicht die Sitzordnung, sondern bezieht sich vorrangig auf den Teilnehmerkreis. Diese Unterrichtsphasen können auch frontal verlaufen. Wichtig ist, dass eine Überforderung Einzelner, die sich auf einem anderen individuellen Lernstand befinden, vermieden wird.

Zusammenfassend:

Nach dem Konzept des individualisierten Lernens mit Hilfe von Planungsmappen … 

-> … hat jedes Kind die Zeit, die es für das Lernen benötigt.

-> … werden Lücken im Lernstoff vermieden.

-> … bleibt die Lernfreude durch individuell verschiedene Erfolgserlebnisse und durch die Wertschätzungen der 
        Mitschüler
erhalten.

-> … werden Unter- und Überforderung vermieden, was Zufriedenheit bewirkt.

-> … ist mehr positive Zuwendung für jeden Schüler auf seinem jeweiligen Niveau möglich (Vermeidung der
        
Negativspirale).

-> … wird die Selbsteinschätzung gefördert.

-> … wird das Zeitmanagement trainiert.

-> … wird ein Gespür für Rücksichtnahme entwickelt.

-> … werden verständliches Erklären und Helfen geübt, wodurch der Lernstoff gefestigt wird.

-> ... wird die Konzentrations- und Merkfähigkeit durch intrinsische Motivation erhöht.

-> ... wird die Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit gefördert.

-> ... lernen SchülerInnen, auf positive Weise mit Fehlern umzugehen (Fehler gehören zum Leben dazu und diese
        dienen der Weiterentwicklung.).

-> ... erwerben die Kinder soziale und kommunikative Kompetenzen.

-> ... erhalten alle SchülerInnen die oft nötige soziale Sicherheit durch einen ritualisieren Schulvormittag.

-> ... übernimmt jedes Kind seinen Möglichkeiten entsprechend Verantwortung für sich selbst und für die Gruppe.